Bürgergilde zu Neumünster seit 1578

Jens Bartram † 8. Februar 2019

Capitain Jens Bartram

Die Bürgergilde zu Neumünster seit 1578 trauert um Ihren Ehren­capitain und Ex-Majestät Jens Bartram. Er starb am 8. Februar 2019.

Jens Bartram trat 1957 in unsere Gilde ein – als Gildebruder in 3. Generation. Bald übernahm er Verant­wortung. 1962 wurde er Seconde­lieutenant, später Premier­lieutenant. Im Jahr 1983, auf der 400. General­versamm­lung, wurde er Nach­folger von Heinz Rowedder als Gilde­capitain und führte die Gilde 21 Jahre lang. Die Höhe­punkte seiner Zeit als Gilde­capitain bildeten die Fest­veranstal­tungen zum 425-jährigen Gilde­jubiläum im Jahr 2003 und das Erringen der Königs­würde im selben Jahr.

Die Zeit von Jens Bartram als Gilde­capitain brachte für die Gilde einen Wandel. Auf seine Initi­ative hin besann sie sich auf ihre Ur­sprünge als Brand und Toten­gilde. Mit der Ein­führung des Trauer­geleits für verstor­bene Gilde­brüder und der Erhe­bung eines so­ge­nann­ten „Wit­wen­gro­schens“ knüpfte sie wieder an den an­fäng­lichen Gilde­gedan­ken an. Das tat der Gilde gut und erfüllte sie mit neuem Leben. Aber auch die Ein­beziehung der Familien ins Gilde­leben und gemein­same Veran­stal­tungen förderten das Mit­einander und haben so unsere Gemein­schaft gestärkt.

Jens Bartram war Inhaber der Firma JuBa, eine der Tuch­fabriken, die über viele Jahr­zehnte das indus­trielle Gesicht unserer Stadt prägten. Seine Fabrik fer­tigte hoch­wertige Woll­decken und Stoffe, bis sie 1991 dem Druck der Zeit nicht mehr stand­halten konnte und als letz­te der Neu­müns­teraner Tuch­fabriken schließen musste.

Als langjähriger Vor­sitzender des Förder­vereins „Museum Tuch und Technik“ hat Jens Bartram gegen alle Schwierig­keiten maß­geb­lich dazu beige­tragen, dass das Museum gebaut wurde und so die Geschichte der Tuch­industrie Neumünsters für die Nach­welt erhalten bleibt.

Für sein gesell­schaft­liches En­g­age­ment wurde ihm das Bun­des­ver­dienst­kreuz verliehen.

Gesundheitlich musste Jens Bartram in letzter Zeit kürzer treten. Eine aus­sichts­lose Erkran­kung erfass­te ihn und ließ seine Kraft schwinden. Den letzten Weg ging er mit Würde und in Dank­bar­keit, genauso wie er gelebt hat, niemals sich selbst beklagend. Er starb fried­lich am Abend des 8. Februars 2019 in seinem Haus in Kiel, als seine Kraft zu Ende war.

Es war ein Leben mit der Gilde und für die Gilde. Jens Bartram stand fest zu unserer Gemein­schaft, zu unseren Werten. Er gab ihr in aller Zeit Zusam­menhalt und Ori­en­tie­rung. Als Capitain der Bürger­gilde zu Neu­müns­ter seit 1578 danke ich unserem Ehren­capitain für alles, was er für die Gilde geleis­tet hat. Wir sind dank­bar und stolz, dass wir ihn in unserer Mitte gehabt haben und werden ihm ein ehrendes Anden­ken bewahren. In den Annalen der Gilde wird Jens Bartram weiter­leben bis ans Ende aller Dinge.

 

Dr. Ulf-Christian Mahlo
Capitain

Die „Witte Büxen Gill“

Die Geschichte Neumünsters ist ohne ihre Gilden nur schwer vorstellbar. So gehört die Bürgergilde zu Neu­müns­ter seit 1578 zu den ältesten Ver­eini­gungen unserer Stadt. Sie bezieht sich auf die Gilderolle von 1654 von Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorf. Sein Nach­fahre Herzog Carl-Friedrich von Holstein-Gottorf stiftete ein goldenes Schild mit seinen Initialen, einen Trinkbecher und eine Fahne. Das goldene Schild und der Trinkbecher sind noch heute im Original erhalten. Die im Volksmund gerne gebrauchte Bezeichnung „Witte Büxen Gill“ ist neueren Datums, die weißen Hosen wurden von der Bürgergilde erst im vorvorigen Jahr­hundert eingeführt.

Die Fahne mit dem Gildewappen der Bürgergilde zu Neumünster seit 1578
Die Fahne der Bürgergilde zu Neumünster seit 1578

Als Brand- und Toten­gilde waren die Gil­den für den ein­zelnen Bürger der Garant für gegen­seitige Hilfe und Unter­stützung in größter Not, was zu damaliger Zeit zum Überleben uner­läßlich war. Daneben bildeten sie auch stets einen gesell­schaft­lichen Teil Neu­müns­ters und gehörten somit zu den Wurzeln der sozialen Gemein­schaft unserer Vater­stadt. Namen von alten Neumüns­teraner Familien sind dabei über Gene­rationen vertreten.

Gildebrüder waren damals die Haus­besitzer des Fleckens. Heute sind es Ärzte und Rechts­anwälte, selbständige Handwerks­meister und Kaufleute, Vertreter der ver­schie­denen Industrie und Gewerbezweige der Stadt.

Die Aufgabe als Brand- und Totengilde wurde im Lauf der Jahrhunderte zurückgedrängt. An ihre Stelle trat die Gemein­schaft von gestan­denen Bürgern aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens der Stadt, die sich der Tradition verpflichtet fühlten und diese erhalten wollten. In ihrer Einstellung zum Wesen der Gilde und zu der Tradition der Stadt Neumünster stehen die Gildebrüder der Bürgergilde seit jeher dicht zusammen.

Die Bürgergilde hat ihre ursprünglichen Aufgaben der gegen­seitigen Hilfe bei Brand, Not und Tod im Laufe der Jahrhunderte aufgeben müssen. Geblieben ist die Erinnerung. Geblieben und erhalten sind aber auch die alten Gilderollen, Gildebücher und Dokumente, in denen sich ein wesentlicher Teil unserer Stadt­geschichte wider­spiegelt. Sie zu bewahren und ihren Inhalt nicht vergessen zu lassen, ist heute unsere Aufgabe.

Die Bürgergilde zu Neumünster seit 1578 hat zur Zeit 111 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus dem Capitain, Gilde­vorstehern, Offizieren und der amtie­renden Majestät. Das Wap­pen der Bürger­gilde zeigt auf ro­tem Schild ei­nen Schwan mit aus­­ge­brei­­te­ten Schwin­gen, des­sen Hals eine gol­dene Krone um­gibt, da­rü­ber frei­­schwe­bend das weiße Holsteiner Nes­sel­blatt.

Die wichtigste Veranstaltung des Jahres ist die General­versammlung am Him­mel­fahrts­tag. Alle zwei Jahre wird ein Vogelschießen am Mittwoch nach Pfingsten abgehalten, an dessen Ende ein neuer Gildekönig gekürt wird. Amtierende Majestät ist seit dem 7. Juni 2017 Prof. Dr. Jens-Eric von Düsterlho.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Stöbern auf unserer Website.

Dr. Ulf-Christian Mahlo
Capitain